„Sushi schon zum Frühstück?“ – Wie geht man am neuen Arbeitsplatz mit den Kollegen und dem Chef um

„Sushi schon zum Frühstück?“ – Wie geht man am neuen Arbeitsplatz mit den Kollegen und dem Chef um

„Seit zwei Monaten habe ich einen neuen Job in der Kreisverwaltung angetreten. Anfangs freute ich mich sehr auf das Arbeitsfeld, aber mein Chef sagte mir, eine konkrete Einarbeitung sei nicht notwendig,denn ich bekäme auch so alles, was wichtig ist, mit. Wenn ich meine neuen Kollegen frage, dann helfen sie mir, aber der Chef sieht das nicht gerne, sagt ‚Sie ist ja vom Fach, da wird sie schon wissen, was zu tun ist.‘ Es fällt mir schwer einen richtigen Rhythmus beim Arbeiten zu finden. Was empfehlen Sie mir?“ (Kristin L.)

Sehr geehrte Frau L., ich beginne meine Antwort auf Ihre Frage mit einer ganz anderen Frage: „Darf man in Japan Sushi bereits zum Frühsück essen?“ Das interesierte mich über viele Jahre, doch ich selbst war noch niemals im Land der aufgehenden Sonne. Als meine Tochter 2019 dorthin aufbrach, da gab ich ihr diese Aufgabe mit auf die Reise.

Also: Was isst Mensch in Japan zum Frühstück? Ramen und andere Suppen oder wie bei uns Müsli, Brötchen, Yoghurt oder vielleicht doch Sushi? Nun, die freundliche Mahnung deutscher Eltern „Kind, iss etwas Gesundes zum Frühstück!“, bekommen Nippons Kinder nicht zu hören, steht das japanische Frühstück doch in den Ruf, weltweit die gesündeste erste Mahlzeit des Tages zu sein.

Und so ist es dann auch: vitaminreich, mit frischen Lebensmitteln und einer Mischung aus gesundem Mehrfachzucker und Proteinen – also allem, was man sich für den fitten Start in den Tag wünscht. Allerdings ist wie in jeder Gesellschaft im Grunde alles möglich. So sieht beispielsweise das traditionelle japanische Frühstück Asa Gohan meist ganz anders aus, ist herzhaft und sehr vielfältig und besteht aus Reis und Miso-Suppe, Tofu und gegrilltem Fisch. Das soll in Japan tatsächlich keine Seltenheit auf dem Morgentisch sein. Und als anderes Extrem gibt es Japanerinnen und Japaner, die den Tag bereits mit Fastfood beginnen und – genau – Sushi.

Rokuon-ji, der Rehgarten-Tempel nahe Kyōto. – Foto: Birgit Sauer

So überraschend wie es für mich war, dass die Hälfte der jungen JapanerInnen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren mittlerweise, so wurde es meiner Tochter berichtet, ein gutes traditionelles Frühstück wieder zu schätzen wissen, stimmt es bedenklich, dass ebenso fast die Hälfte der jungen Leute angeben, aufgrund von Termindruck und Appetitlosigkeit morgens hin und wieder kaum etwas oder gar nichts zu essen.

Worauf ich mit meinem Beispiel hinaus will ist Folgendes. Sie können im Grunde machen, was immer Sie möchten, so lange Sie selbst das in Ordnung finden. Kommen Sie in Ihrem Leben allgemein mit einer Strukturierung besser zurecht als mit Improvisationen, dann sollten Sie – auch wenn Stress und Druck Sie umgeben – Rituale einführen, als Abläufe, die wiederholbar sind und Ihnen ein Grundgerüst für den Tag bieten: einen bestimmten Tee zubereiten, jemandem eine private E-Mail (…bitte keine WhatsApp…) schreiben, sich für bestimmte Dinge mehr Zeit nehmen als üblich, zuhause leckere Hausmannskost kochen nund dann mit auf Arbeit nehmen. Es würde mich wundern, wenn die Kollegen sie nicht darauf ansprechen würden.

Ist es eher umgekehrt, also dass sie mehr improvisieren als strukturieren, dann suchen Sie sich Ausgleichsoptionen wie Sport, 30 Minuten Faulenzen, in einem Buch ein weiteres Kapitel lesen, Musik hören oder planen Sie in die Hektik Ihrer Woche einen Abend fest als Termin ein und reservieren Sie diesen für sich, beispielsweise zum Einkaufsbummel, einem Besuch bei jemanden, der Ihnen am Herzen liegt, und und und…

Was jedoch Ihren Chef angeht, da begeht er den Fehler vieler Vorgesetzter, die die Einarbeitungphase nicht ernst nehmen. Ein solches Herangehen an die Sache ist ebenso verbreitet wie schwierig, denn selbst unter idealen Umständen geht man davon aus, dass neue MitarbeiterInnen je nach Tätigkeit zwischen 6 Monaten und 2 Jahren benötigen, bis sie ihr volles Potential entfalten können. Außerdem sind die allermeisten Neulinge sehr motiviert zu lernen und wird diese Motivation nicht bedient, nimmt sie Tag für Tag ab. Da ich aber Ihrem Chef nicht helfen kann, müssten Sie – sofern Sie dies wollen – mir mir Vorlieb nehmen, was den Umgang mit ihren neuen Kollegen und Herausforderungen angeht.

In diesem SInne

gez.

Rainer Sauer, Jena

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